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Gegen das Vergessen

Geschichtstafel auf dem Sankt Andreasberger Friedhof erinnert jetzt an das Schicksal und das erlittene Leid der Zwangsarbeiter/innen in der Andreasberger Rüstungsindustrie während der NS-Zeit

Die neu aufgestellte Gedenktafel erinnert an das schlimme
Leid der ZwangsarbeiterInnen.

Von Hans-Peter Leiding

Während noch im 19. Jahrhundert Andreasberg mit dem Bergbau- und Hüttenwesen ein bedeutender Industriestandort war, wurden bis zum 1. Weltkrieg die letzten Gruben und Betriebe nach und nach geschlossen. Einen zunächst willkommenen aber doch unheilvollen Aufschwung erfuhr der Industriestandort Sankt Andreasberg dann durch die NS-Wirtschaftspolitik und die Aufrüstung, nachdem Adolf Hitler am 30.01.1933 zum Reichskanzler gewählt wurde. Töchterfirmen der Hösch AG kauften Liegenschaften in den Ortsteilen Silberhütte und Sperrluttertal. Gefertigt wurde ab 1936 Infanteriemunition, Ladestreifen für Gewehrmunition sowie 7,5cm und 10,5 cm Geschosshülsen sog, Kartuschen.

Das bedeutete für Sankt Andreasberg einerseits wirtschaftlichen Aufschwung, andererseits aber auch einen erhöhten Bedarf an Arbeitskräften. Ab Juni 1942 begannen die Metallwerke Silberhütte und die Schmiedag „Ostarbeiter“ einzusetzen. Hierbei handelte es sich um verschleppte Frauen und Männer aus Weissrussland und der Ukraine. Zwischen 1940 und 1945 gab es über 1000 Zwangsarbeiter/innen in der Stadt neben den damals ca. 3.300 Einwohnern in der Bergstadt. Untergebracht unter menschenunwürdigen Umständen, fristeten sie ein Dasein, das geprägt war von erheblichen Entbehrungen wie Unterernährung, nicht angemessener Kleidung und so gut wie keiner ärztlichen Versorgung. Dazu kam, dass diese Menschen misshandelt werden durften und unvorstellbares Leid erfuhren.

Nicht mehr arbeitsfähige Menschen wurden abtransportiert in dieser Zeit. Wo sie verblieben sind ist ungewiss.

Am süd-östlichen Rand des Friedhofs besteht ein Grabfeld mit 3 Stehlen, die die Namen von 24 Toten benennen, die das Martyrium der Zwangsarbeit nicht überlebt haben und Opfer der NS Herrschaft wurden. Sie sind hier bestattet. Die Stelen nennen aber nicht alle Namen der ZwangsarbeiterInnen, die hier ums Leben gekommen sind. Unter den Opfern befinden sich auch vier Kinder die nicht einmal ein Jahr alt wurden.

Nun 77 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges und damit dem Ende des Nazi-Terrors wurde am 08.06.2022 die Geschichts- und Erinnerungstafel Sankt Andreasberg an die hier umgekommenen Zivil- und ZwangsarbeiterInnen in einer kleinen Feierstunde eingeweiht. 

Die Vorsitzenden des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Bezirksverband Braunschweig, W.-Johannes Herrmann und des Kreisverbandes Goslar, Landrat Dr. Alexander Saipa übergaben in einer kleinen Feierstunde im Beisein von Bürgermeister W. Langer und Ortsvorsteher K.-H. Plosteiner die Erinnerungstafel ihrer Bestimmung. Für die Martini Kirchengemeinde waren Pastor Diekmann sowie Kirchenvorsteher Frederik Kunze anwesend. Frederik Kunze hat maßgeblich die inhaltliche Gestaltung der Gedenktafel begleitet. An der Feierstunde nahmen weiterhin ca. 40 interessierte Gäste teil. 

Für die finanzielle Unterstützung dankten die Initiatoren der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine.

Aufgestellt haben die Gedenktafel Mitglieder der Arbeitsgruppe des Friedhof-Fördervereins. Von Ihnen wird auch das Gräberfeld der ZwangsarbeiterInnen seit vielen Jahren betreut und gepflegt.

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